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Putz im Bad: Vom Preis über den richtigen Putz bis hin zur fachgerechten Verarbeitung

Es müssen nicht immer traditionelle Fliesen im Badezimmer sein. Immer häufiger werden Badezimmer nur noch verputzt, auch Duschwände und Flächen über dem Waschbecken oder der Badewanne zieren spezielle Putze, die wasserfest sind und Schimmelbildung vorbeugen. Wir verraten dir alles, was du über Putz im Bad wissen musst – vom Preis über den richtigen Putz bis hin zur fachgerechten Verarbeitung. 

Welcher Putz Arten eignen sich für das Bad?

Grundsätzlich eignen sich alle natürliche Putze fürs Badezimmer, denn diese nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie bei Trockenheit wieder ab. Beim Verputzen eines Bades kommen deshalb meist solche sogenannten diffusionsoffene Putze wie Kalkputz, Zementputz, Lehmputz oder Rollputz zum Einsatz. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Gips, Kalk oder Zement in Reinform, sondern meist um spezielle, fertige Trockenmischungen. Nicht alle oben aufgezählten Putze eignen sich aber gleich gut und haben verschiedene Eigenschaften. 

Putzarten

Rollputz 

Der Begriff Rollputz ist ein wenig verwirrend. Denn dieser sagt nur aus, wie der Putz aufgebracht wird. Anders als wie bei Reibeputzen wird dieser nicht mit einer Kelle, sondern mit einer einfachen Malerrolle aufgebracht. Der Rollputz selbst kann verschiedene Bindemittel enthalten und ist deshalb mehr ein Überbegriff für Kalkputz, Lehmputz oder Kunstharzputz. Rollputz ist im Badezimmer so beliebt, da er ganz einfach wie Wandfarbe “aufgemalt” werden kann. Zudem lässt sich Rollputz auch direkt über Fliesen aufbringen und ist darum auch für Badrenovierungen geeignet. 

Bad mit herkömmlich verputzten Wänden; Foto: Duscholux

Kalkputz

Aufgrund seines hohen pH-Wertes (alkalisch) tötet Kalkputz Schimmel und Bakterien ab. Das unterscheidet ihn zu anderen diffusionsoffenen Putzen und macht ihn zu einem hohen Favoriten für Verputze im Bad. Kalkputz hat aber noch einen weiteren Vorteil: Durch besonderes Verdichten und Hydrophobieren wird Kalkputz zu sogenanntem “Tadelakt”. “Tadelakt” wurde früher vor allem im Orient zum Abdichten in Bädern oder für Zisternen verwendet und wird deshalb auch als “marokkanischer Kalkputz” bezeichnet. Durch das besondere Verdichtungsverfahren wird der Kalkputz absolut wasserdicht und kann deshalb auch direkt im Nassbereich an Duschwänden oder als Spritzschutz über dem Waschbecken oder der Badewanne verwendet werden. 

Kalkputz im Badezimmer; Foto: Dornbracht

Gipsputz

Gipsputz darf nicht permanent nass oder stark feucht sein, sonst verliert er seine Stabilität und wird brüchig. Wird er jedoch nur gelegentlich benetzt und kann dann wieder trocknen, ist das kein Problem. Aufgrund seiner Zusammensetzung ist auch Gipsputz in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben. Gipsputz eignet sich also aufgrund seiner Eigenschafgen als Wand- und Deckenputz im Badezimmer, nicht jedoch für direkte Nassbereiche wie Dusche, Wanne und Co. 

Waschtisch mit verputzter Rückwand; Foto: Burgbad

Lehmputz

Für das Bad ist auch Lehmputz ein ideales Material, da er ebenfalls zu den diffusionsoffenen Putzen zählt. Dadurch entsteht eine Pufferwirkung, die die Luftfeuchtigkeit reduziert und Schimmelbildung verhindert. Der reine Lehmputz im Bad sollte allerdings nicht im direkten Spritzwasserbereich verwendet werden, um ein Durchweichen zu vermeiden. Das Besondere an Lehmputz ist seine Natürlichkeit und seine Gestaltungsmöglichkeiten. Das Material lässt sich leicht von Hand auftragen und kann individuell erweitert werden. So können verschiedene natürliche Materialien wie Muscheln, Steine oder Sand in den Putz eingearbeitet werden. 

Fugenloses Badezimmer mit verputzten Wänden; Foto: Talsee

Zementputz 

Rohes Zement ist ansich für das Bad nicht geeignet. Anders verhält es sich mit einem Zement-Kalk-Gemisch. Sogenannte Zementputze werden meist mit Kalk vermischt und werden so wasserfest und raumklimafreundlich. Mit dem Kalk nimmt die Wasserbeständigkeit ab, so dass bei einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit im Bad Zementputze eine zusätzliche Versiegelung nötig ist. Zementputze werden sehr fest und können daher auch als Duschwände verwendet werden. Der Putz sollte jedoch geglättet oder beschichtet sein, um die Verletzungsgefahr bei rauen Stellen zu verringern. 

Bad mit Zementputz hinter Waschtisch; Foto: KWC

Gewachster Beton (Carameo oder Beton Ciré)

Gewachster Beton ist im Grunde nichts anderes als ein spezieller zementbasierter Feinputz mit Versiegelung – auch bekannt als Spachtelbeton oder Sichtbeton. Der Putz ist ein mineralischer, fugenloser Boden- oder Wandbelag. Der Baustoff eignet sich besonders für alle Renovierungen, da er nur dünn aufgetragen werden muss. Aufgrund seiner Wachsversiegelung ist er wasserfest und lässt sich auch in Dusch- und Nassräumen verwenden. Besonders bekannt sind die Marken Carameo oder Beton Ciré. Sie werden oftmals auch als Synonym für den Oberbegriff verwendet. 

Verputzte Dusche mit Beton Ciré; Foto: Instagram/villacarlaluisa

Wasserfeste Versiegelung für Putze im Bad

Mineralische Putze wie Zement- oder Kalkputz benötigen eine Versiegelung, damit sie wasserfest werden und auch in direkten Feuchträumen wie Duschwänden etc verwendet werden können. Eine solche Versiegelung kann ganz unterschiedlich ausfallen. 

Olivenölseife 

Olivenölseife ist die klassische Versiegelung, wenn es um Kalkputzoberflächen geht. Auch Tadelakt wird mit OIivenölseife versiegelt. Die Seife wird mit auf den noch feuchten oder gerade getrockneten Putz aufgetragen und anschließend mit einer Maurerkelle geglättet. Je nach Geschmack kann die Oberfläche zum Schluss zusätzlich auf Hochglanz poliert werden. Die Versiegelung mit Olivenölseife ist nicht nur wasserfest, sondern hat auch haptische Vorteile. Die Oberfläche fühlt sich nach der Versiegelung sehr weich und natürlich an. Die Versiegelung mit Olivenölsiefe sollte allerdings einmal im Jahr erneuert werden. 

Steinöl

Eine weitere natürliche Möglichkeit zur Versiegelung von Mineralputzen ist Steinöl. Das pflanzliche Öl festigt den Putz, verändert aber auch die Farbe des ursprünglichen Putzes. Das Öl lässt den Farbton des Verputzes in der Regel noch besser zur Geltung kommen und er erscheint etwas dunkler und tiefer. Dafür ist der Putz anschließend genug versiegelt, um ihn gegen Feuchtigkeit und Schmutz zu schützen. Die Wirkung des Öles ist allerdings auch begrenzt, weshalb die Versiegelung wie auch bei der Olivenölseife regelmäßig erneuert werden sollte.

Wasserfeste Rückwand für Dusche und Badewanne aus Tadelakt; Foto: Villeroy & Boch

Wachsversiegelung 

Eine zusätzliche Behandlung mit mattem Wachs  bietet Schutz vor Säuren wie Essig, Zitrone und einigen in Shampoo und Duschgel enthaltenen Wirkstoffe. Die Wachsschicht schützt und erzeugt eine matte, leicht abwischbare Oberfläche.Ein weiterer Vorteil einer Wachsversiegelung ist, dass die Schicht ganz einfach abgeschliffen und selbst stark beanspruchte Oberflächen neu versiegelt werden können. 


Spezielle Produkte wie Mineral Protect und FOB

Neben den oben erwähnten natürlichen Versiegelungsmethoden gibt es auch spezielle Produkte, die der Versiegelung von Kalk- oder Zementputzen dienen. Mineral Protect ist so ein spezielles Produkt. Die Versiegelung gelangt tief in die Oberfläche ein und verfestigt den Putz und dessen Poren. Es wird verwendet, um den Putz bis in die Tiefe vor Wasser zu schützen. Mineral Protect von Resinence ist allerdings lösmittelfrei und deshalb nur bedingt beständig gegen ölige Produkte. Ein weiteres beliebtes Produkt ist FOB von Fila. Das Imprägniermittel ist lösmittelhaltig und bietet deshalb nicht nur Schutz gegen Schmutz und Wasser, sondern auch gegen Öl und Fette. Flecken können ganz einfach mit einem feuchten Tuch entfernt werden.

Auf die Wandbeschaffenheit achten

Welcher Putz im Bad verwendet wird, hängt in erster Linie von der Oberflächenbeschaffenheit der Wand ab. Bei Trockenmauern ist darauf zu achten, dass Rollputz verwendet wird, der feuchtigkeitsabweisende Eigenschaften besitzt, damit dieser keine Feuchtigkeit auf der empfindlichen Bausubstanz hinterlässt. Mauerwerk oder Betonwände sind weniger empfindlich, weshalb auch diffusionsoffene Putze wie Kalk auf ihnen angebracht werden können. 

Bad mit blauer, verputzter Wand im Nassbereich; Foto: Villeroy & Boch

Badezimmer mit Kalkputz und Co renovieren 

Mineralische Verputze wie Kalk- oder Zementputz eignet sich vor allem für Badrenovierungen. Da die Verputze auch über bestehende Oberflächen wie Fliesen aufgetragen werden können, ohne dass diese vorher entfernt werden müssen, sind sie für Badsanierungen sehr beliebt. Zudem helfen sie gegen Schimmel und Bakterien vorzubeugen. Aber, Achtung: Das Verputzen des Badezimmers allein nicht aus, um bereits entstandenen Schimmel zu bekämpfen. Putz über Schimmel aufzutragen ist keine Lösung! Aber Putz im Bad kann im Zuge einer Sanierung dazu führen, dass er in Zukunft die Schimmelgefahr reduziert.

Badezimmer richtig verputzen 

Die Vorbereitung vor dem Verputzen sind überaus wertvoll und sparen später Nerven und Arbeit. Die Wände können für den neuen Wandputz ganz einfach vorbereitet werden. Zunächst müssen unebene Flächen, Risse und Fugen ausgefüllt bzw ausgeglichen werden. 

Um die Wand zusätzlich vor der Aufnahme von Flüssigkeiten zu schützen, sollte zunächst eine Grundierung aufgebracht werden. Die Grundierung ist bei jedem Putz notwendig. Nur so kann eine optimale Haftung gewährleistet und verhindert werden, dass Verfärbungen des Untergrundes in die Putzoberfläche eindringen.Sobald diese vollständig ausgetrocknet ist, kann das Verputzen des Badezimmers auch schon losgehen.

Putz im Bad: Schwarz verputzte Wand in modernem Badezimmer; Foto: Talsee

Dazu den Fertigputz nach Anleitung zunächst Anrühren. Sobald der Verputz die richtige Konsistenz hat, kann er auf der Wand gleichmäßig mit einer Kelle verteilt und anschließend mit einer Abziehstange abgezogen werden. Das klingt zunächst ziemlich einfach, allerdings sollten ungeübte Handwerker das Verputzen lieber dem Fachmann überlassen. Das gilt vor allem für Spezialputze wie Tadelakt oder Carameo bzw Beton Ciré.

Preis pro Quadratmeter: Was kostet es, das Badezimmer zu verputzen? 

Die Frage nach dem Preis brennt wohl jedem Badrenovierer und Häuslbauer auf der Zunge. Nichtsdestotrtoz kann sie leider nicht so einfach beantwortet werden. Der Quadratmeterpreis hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Je nach Verputz und Eigenschaften des Untergrundes können verschieden hohe Kosten anfallen. Das hängt auch davon ab, ob der Verputz im Bad vom Fachmann oder in der DIY-Variante aufgebracht wird. Eines ist aber sicher: Egal ob Kalkputz, Marmorputz, Lehmputz oder Zement – Verputz ist so gut wie immer die günstigere Alternative zu Fliesen. 

Fazit: Dekorputz auf der Badezimmerwand 

Putz im Bad ist immer eine gute Wahl. Vor allem für Badrenovierungen ist Verputz eine günstige und einfache Art, die altbackenen Fliesen im Bad verschwinden zu lassen. Allerdings sollte vor allem in Nassräumen wie der Dusche auf eine ausreichende Versiegelung geachtet werden. Auch der Untergrund ist ausschlaggebend für den richtigen Verputz. Zur Auswahl stehen vor allem mineralische Putze wie Gips, Zement und Kalk oder natürlicher Lehmputz. 



Titelbild: Talsee

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